Die kleine Genrefibel Teil 101: Remake, Reboot, Reimagine
Die kleine Genrefibel ist zurück nach 5 Jahren Mittagsruhe. War irgendwas? Sind am alten Baum der Flimmerfrüchte neue Genretriebe gewachsen? Wohl kaum. Gibt es nach 100 Genrefibeln überhaupt noch was zu berichten in Sachen Film? Definitiv! Alte Sachen werden neu aufgelegt, woher kennen wir das gleich nochmal? Richtig, das Filmremake, die Neuauflage, der Abklatsch. Remakes hier, Remakes da, Remakes aus Amerika! Nur noch Remakes und Reboots heißt es noch immer. Aber mal ehrlich, im Jahr 2026, nachdem bereits so gut wie alles geremaked wurde, zum Teil mehrfach, ist das Remake noch immer das Feindbild der Filmliebhaber oder hat sich die Lage ein wenig beruhigt?

Natürlich werden Filmremakes noch immer leidenschaftlich gehasst und verdammt: kreativer Bankrott Hollywoods, Profitgier, Schändung des Originals. Die Wahrheit ist: Remakes kommen nicht nur aus den USA, Filme müssen Geld erwirtschaften und noch kein Original wurde je von einem Remake aufgefressen. Im Gegenteil, erst durch ein Remake wird das Original als solches definiert. Nachdem wir diese Kritikpunkte an Remakes bereits im Intro argumentativ widerlegt haben, können wir nun entspannt eine kleine Reise in die Welt der Filmneuauflagen unternehmen. Ob obskure Neuinterpretation oder Bild-für-Bild-Kopie, heute dreht dich alles um Remakes, Reboots & Reimaginations.
Cineastisches Recycling?
In Sachen Remake wird noch immer viel durcheinandergebracht. Das Jahr 2024 war mit 92 veröffentlichten Remakes ein Rekordjahr, das geht aus einer Studie des Marktforschungsunternehmens Glance hervor. Generalverdacht: Hollywood hat keine neuen Ideen mehr. Aber diese 92 Remakes kommen aus 49 Ländern, der US-Filmmarkt ist einer davon und sicherlich dominiert er. Aber schaut man sich eine andere Studie an, waren nur 4,2% der veröffentlichten Filme zwischen 1990 und 2019 Remakes. Das fühlt sich recht wenig an, es muss doch mehr Remakes geben? Grund für diese Annahme ist sicher, dass man nicht stringent zwischen Remake und Neuverfilmung unterscheidet.

Ein Remake ist die Neuverfilmung eines bereits existierenden Films. Wozu also zwischen Remake und Neuverfilmung unterscheiden? Weil eine Neuverfilmung nicht gleichzeitig ein Remake sein muss. DUNE von Denis Villeneuve ist kein Remake von David Lynchs DUNE Verfilmung aus dem Jahr 1984, sondern eine erneute Adaption des Buches von Frank Herbert. Man bezeichnet ja auch nicht Peter Jacksons THE LORD OF THE RINGS Trilogie als Remake des Ralph Bakshi Zeichentrickfilms von 1978. Solche Neuverfilmungen sind Adaptionen, basierend auf Büchern oder wahren Begebenheiten, Filmstoff allgemein. Streng genommen adaptiert das Remake auch eine literarische Vorlage, nämlich das Drehbuch des Originals. Aber ein Filmremake ist immer auch von der audiovisuellen Inszenierung inspiriert.

Das bedeutet für recht viele Filme Adaption: Ja, Remake: Nope! Frankenstein, Dracula, Sherlock Holmes, hier gibt’s kein Original noch Remake, das sind alles Adaptionen. Auch bei Filmfortsetzungen, also Sequels, beschleicht einem manchmal das Gefühl, ein und dasselbe wird wieder und wieder erzählt, beim Slasherfilm zum Beispiel oder aber, wenn ein Sequel strukturell so aufgebaut ist wie ein Original, z.B. STAR WARS EPISODE VII: THE FORCE AWAKENS. Gefühlt ist das ein Süppchen, aber es sind keine Remakes. Da meldet sich jemand in der hinteren Reihe und sagt: Ja aber DAS GROSSE KRABBELN von Pixar ist ein Remake von Akira Kurosowas DIE SIEBEN SAMURAI! Auch das ist nicht ganz korrekt, in diesem Fall kommen wir dem Remake zwar näher, aber hier handelt es sich um eine Hommage.

Eine Hommage zitiert einen anderen Film, entweder in Gänze wie bei ASSAULT ON PRECINT 13 von John Carpenter, der eine Hommage des Westerns RIO BRAVO darstellt oder szenisch wie die berühmte Odessa Steps Scene aus PANZERKREUZER POTEMKIN (1925) von Sergej Eisenstein, die in verschiedenen Filmen zitiert bis parodiert wurde. Apropos, eine Parodie ist ebenso kein Remake, obwohl die Parodie ohne ein erkennbares Original nicht funktioniert. Hommage und Parodie funktionieren über Wiedererkennungswert. Aber viele Filmremakes haben nicht versucht, das Original zu kopieren, sie wurden an ein neues Publikum angepasst, modernisiert, in andere Kontexte gestellt.
SCARFACE (1932) von Howard Hughes | SCARFACE (1983) von Brian De Palma
Das war nicht immer erfolgreich oder wurde von Publikum goutiert. Es ist auch nicht so, dass es keine berechtigte Kritik an diversen Filmremakes gibt. Aber mehr noch gibt es Vorurteile und Gehässigkeiten. Viele wissen zum Teil gar nicht, dass ihr Lieblingsfilm ein Remake ist. Ein Remake ist immer schlechter als das Original? DIE FLIEGE, SCARFACE oder THE THING beweisen das Gegenteil. Wir wollen aber nicht nur die altgebannten Remakeschinken zu Wort und Bild kommen lassen, sondern tiefer in die Geschichte und Wirkungsweisen von Filmremakes eintauchen.
Reshoot in the Back
Was war eher da, Film oder Remake? Kein Witz, einer der berühmtesten frühen Filme war ANKUNFT EINES ZUGES AUF DEM BAHNHOF LA CIOTAT der Brüder Lumière aus dem Jahr 1895. Die meisten aber kennen eher den Reshoot aus dem Jahr 1897, das Original ist weit weniger im Umlauf. Für einen einminütigen Kurzfilm war die Bezeichnung Reshoot sicher treffender als Remake, zumal es die Brüder Lumière selbst waren, welche die Neufassung inszenierten. Die Lumières wollten dokumentieren, ein anderer Filmpionier aber verstand das neue Medium als Projektionsfläche für das Erzählen von Geschichten und Inszenierungen analog zum Theater – Georges Méliès.

Georges Méliès entwickelte selbst Filmkameras und machte sich daran, einen der ersten Filme der Brüder Lumière zu remaken. Aus PARTIE D’ECARTE aus dem Jahr 1896 wurde UNE PARTIE DE CARTES, das Remake von Méliès und es erschien noch im selben Jahr. Ersterer war dokumentarisch, das Remake inszeniert. Die Brüder Lumière sahen das Medium Film eher wissenschaftlich, betrachteten das Kino sogar als Erfindung ohne Zukunft. Méliès aber wollte nicht nur künstlerisch konkurrieren, er hatte in Sachen Film durchaus kommerzielle Absichten. Deshalb ist es auch gar nicht so falsch, dass Profit einer der Hauptgründe für die Produktion eines Remakes war.

Erfolgreiche Filme boten oft eine Garantie auf einen Erfolg der Neuverfilmung. In den Kindertagen des Films waren Reshoots und Remakes an der Tagesordnung, es waren wichtige Übungen mit dem neuen Medium. Rechtlich war diese Zeit Wilder Westen. Es gab Urheberrechte, aber nicht für das Medium Film. Film war Jahrmarktsattraktion und die ersten bewegten Bilder waren rechtlich nicht als Werke geschützt. Das änderte sich zwar bis in die 1910er Jahre durch Präzedenzfälle und neue Gesetze, aber die waren oft schwammig und Filmemacher hingegen einfallsreich.
THE KISS (1896) war ein Aufreger, das Remake von 1900 gleich weniger skandalös
Bis es Wiederverfilmungsrechte in die Verträge schafften, dauerte es einige Zeit. Danach jedoch begünstigten sie die Evolution des Remakes und des Films allgemein, denn die gekauften, teuren Rechte an einer Vorlage wurden mehrfach verwertet, um den Profit zu erhöhen. Gleichzeitig verleugneten einige Produzenten den Umstand, dass es sich bei ihren Filmen um Remakes handelte. Zum einen um eventuell diverse Vertragsklauseln zu umgehen, anderseits hatten die Studios Angst, das Publikum würde sich langweilen, ein Remake zu sehen. Doch bald schon stellte man fest, aus Marketingsicht war es gar nicht so schlecht, wenn das Publikum eine Filmmarke kannte.
Teilton, Talkies, Stummfilm Remakes
Als das Medium Film dann endlich Fahrt aufgenommen hatte und rechtlichen Aspekte mehr oder weniger geklärt waren, rollte auch der Remakezug los. Je rasanter sich Filmtechnik entwickelte, umso mehr wurde dafür das Remake als Indikator interessant und auch genutzt. Die größten Motoren für die Evolution von Remakes waren technische Erfindungen und Erneuerungen. Tonfilm, Farbfilm, Breitwandfilm, Special Effects bis hin zu CGI – neue Filmtechniken konnten kaum besser getestet werden als mit einer erfolgreichen, aber schnell veralteten Vorlage. Somit kam die erste wirklich große Remakewelle in den 1920er Jahren mit dem Wechsel vom Stummfilm zum Tonfilm.
Im Titelwechsel wird deutlich, aus dem Stummfilm THE BAT (1926) wird das Tonfilmremake THE BAT WHISPERS (1930)
Doch bevor man echte Tonfilm Remakes produzierte, wurden viele existierende Filme überarbeitet, synchronisiert oder nochmals mit Tonspur und Dialogen nachgedreht. Die ersten Remakes nannte man seinerzeit Talkies, denn sie basierten auf bereits bekannten Stummfilmen, Drehbücher wurden angepasst, um die neue Technik schnellstmöglich zu testen. Mit den Talkies wurde offensiv geworben, auf den Plakaten der Remakes prangte: Greta Garbo Talks! oder Lon Chaney Talks!. Das Publikum wusste, das kennen wir, das ist aber auch neu.

Alles ging rasend schnell, noch im Jahr 1925 war THE GREAT DIVIDE ein erfolgreicher Stummfilmwestern, bereits 1929 wurde daraus das Tonfilmremake, dieses Mal mit gesprochenen Dialogen. Der Tonfilm war befreit von Zwischentafeln und durchgängiger Klavierbegleitung, nicht jeder war mit der Entwicklung glücklich, einige prophezeiten dem Tonfilm sogar seinen Untergang. Aber der Erfolg war nicht aufzuhalten und der Tonfilm begründete auch den Erfolg des Remakes. Stummfilm und Tonfilm waren grundverschieden und damit forderte das Remake vor allem auch die künstlerischen Ambitionen von Filmemachern und Filmemacherinnen heraus.

Alfred Hitchcock begann 1929 die Dreharbeiten zu BLACKMAIL noch als Stummfilm, das Studio aber forderte, auf Ton umzustellen. Da vieles bereits abgedreht war, musste Hitchcock erfinderisch werden. Plötzlich bot das Remake kreativen Regisseuren die Möglichkeit, eine eigene Geschichte mit völlig neuen erzählerischen Mitteln neu zu erschaffen. Obgleich BLACKMAIL ein Hybrid aus Stumm- und Tonfilm blieb, Hitchcock lernte daraus und auch später sollte der Meister des Suspense Remakes seiner eigenen Werke inszenieren, nicht wegen neuer Technik, auch nicht aus Einfallslosigkeit oder Profitgier, sondern aus kreativer Unzufriedenheit und künstlerischer Weiterentwicklung.
Neue Ära, Neues Publikum, Neuverfilmung
Nicht wenige Filmemacher blickten jahrelang unzufrieden auf ihre früheren Werke, weil seinerzeit Geld, die richtige Besetzung oder Erfahrung fehlten. Das eigene Werk zu remaken war recht naheliegend, obgleich Méliès und die Lumières mit ihren Reshoots selbiges taten, nur mit weniger Aufwand. Hitchcock beispielsweise drehte seinen Film DER MANN DER ZU VIEL WUSSTE zweimal, 1934 in Großbritannien und 1956 in den USA. Das Remake ist heute weit bekannter als das Original von 1934, über beide Filme soll Hitchcock gesagt haben: „Die erste Version war die Arbeit eines talentierten Amateurs, die zweite die eines Profis.“
THE MAN WHO KNEW TOO MUCH (1934) | THE MAN WHO KNEW TOO MUCH (1956) von Alfred Hitchcock
Doch nicht nur Eitelkeiten und Perfektionismus waren Gründe, sogenannte Self-Remakes zu produzieren. Auch neue Filmtechnik war nicht immer ausschlaggebend. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es große demographische und gesellschaftliche Veränderungen, in Europa wie in den Vereinigten Staaten. Ein neues Zeitalter begann und für den Film bedeutet das: New Era, New Audience. Die Freizeit- und Sehgewohnheiten des Publikums hatten sich nach dem Zweiten Weltkrieg massiv verändert. Im Kino gab es wenig Fluktuation, kaum jemand wollte noch die „alten Schinken“ aus den 30er Jahren sehen, zudem gab es einen neuen Konkurrenten, das Fernsehen.

Inzwischen wussten die Studios, das Publikum verlangte nicht unbedingt nach neuen Geschichten, sie wollten eine moderne Erzählung. Ein Paradebeispiel ist der Film DIE ZEHN GEBOTE von Cecil B. DeMilles aus dem Jahr 1956. Der inszenierte bereits den Stummfilm von 1923, das Remake nutze nun alle neuen Möglichkeiten der „Moderne“: Brillantes Technicolor, Breitwandverfahren VistaVision, Orchestersound, nie gesehene Spezialeffekte, 14.000 Statisten, das Monumentalfilmremake wurde zu einem Höhepunkt des Goldenen Filmzeitalters in den USA.
THE TEN COMMANDMENTS (1923) | THE TEN COMMANDMENTS (1956) von Cecil B. DeMille
Ein anderes Beispiel für den Wandel findet man im Film INFAM von William Wyler aus dem Jahr 1961, ein Remake des Films INFAME LÜGEN (1936), ebenfalls von Willima Wyler. Aufgrund des Hays Codes, strenger Zensurauflagen im Hollywood der 30er und 40er Jahre, musste Wyler eine lesbische Liebes- in eine heterosexuelle Dreiecksbeziehung umändern. Erst im Remake von 1961 konnte er die Geschichte so inszenieren, wie ursprünglich angedacht.
THE CHILDREN’S HOUR (1936) | THE CHILDREN’S HOUR (1961) von William Wyler
Diese Veränderungen begünstigten das Remake, alles war im Wandel. Zeitgeist, Moralvorstellungen, Darstellung von Gewalt und Sexualität, Tabuthemen, das Remake wurde zum Symbol der Moderne und ab den 50er Jahren warb man auch offensiv damit. Viele der heutigen Streitpunkte um Remakes waren da noch gar nicht existent, denn bis in die späten 50er Jahre war die Filmwelt vom US-Markt und damit vom Studiosystem dominiert. Filmstudios hatten ihre eigenen Stars wie Regisseure und drehten Remake ihrer eigenen Produktionen. Doch nach dem Zerfall der Studios, spätestens ab der New Hollywood Bewegung in den 70er Jahren änderte sich auch das Remake.
![]() |
![]() |
New Hollywood war geprägt von Immigranten, Scorcese, Polanski, Forman, sie veränderten nicht nur Look und Tonalität, sondern gingen auch erzählerisch und inszenatorisch andere Wege. US-Produzenten versprachen sich durch die neuen, meist europäischen, Einflüsse, ein neues, größeres Publikum zu finden, was ja auch funktionierte. Gleichzeitig entwickelten sich auch andere Filmmärkte und wurden für den US-amerikanischen Film als Stoffquelle interessant. Wenn man schon keinen neuen wilden Regisseur unter Vertrag bekam, man konnte immer noch ein Remake eines ausländischen Films produzieren.
SHICHININ NO SAMURAI (1954) von Akira Kurosawa | THE MAGNIFICENT SEVEN (1960) von John Sturges
Auch wenn es in den 70er Jahren keine explizite Remakewelle von ausländischen Filme gab, deren Einflüsse wurden immer stärker sichtbar. Was für manche eine Bereicherung war, galt für andere als unnötig unoriginelle kulturelle Übersetzung für den eigenen Markt. Doch es ging auch anders. Der Western DIE GLORREICHEN SIEBEN von John Sturges aus dem Jahr 1960 ist ein Remake von Akira Kurosowas DIE SIEBEN SAMURAI und fällt genau in die Zeit von New Hollywood. Das Remake ist ein Paradebeispiel für eine kulturelle Transformation, der Genrewechsel zum Western, dem uramerikanischen Genre, die Verbeugung vor dem Original, welches doch ganz anders war.
Shot-by-Shot
Bis in die 80er Jahren wurden Remakes teils radikal verändert, in anderen Genres gespiegelt, modernisiert, pointiert, invertiert. Für viele Remake Klassiker gilt der Vorwurf des Abklatsches nicht im Geringsten. Es gibt aber auch einen gänzlich anderen Weg, den ein Remake nehmen kann. Statt das Original zu variieren, folgten manche Regisseure dem Original Bild für Bild. Das sogenannte Shot-by-Shot Remake ist genau das, die Eins zu Eins Kopie des Originals. Warum sollte jemand so etwas machen? Es gibt Fälle, die kann man nur zu gut verstehen. Drei Kids aus Mississippi drehten 1982 ihre eigene Version von JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES nach, Einstellung für Einstellung. Die pure Liebe zum Original prägte diesen Fanfilm, aber was ist mit professionellen Studioproduktionen?

1952 erschien der Film IM SCHATTEN DER KRONE (THE PRISONER OF ZENDA), ein Remake von DER GEFANGENE VON ZENDA aus dem Jahr 1937, welches Bild für Bild nachgestellt wurde. Neu waren die Stars und die Technicolor Farbe, der Rest sollte genauso wirken wie das erfolgreiche Original. Dafür war das Remake kostengünstig, Drehbuch, Kameraeinstellungen, sogar die Filmmusik wurden einfach wiederverwendet. Das war nicht gänzlich neu, manchmal wurden an einem Filmset gleich mehrere Sprachversionen mit unterschiedlichen Darstellern für andere Märkte gedreht, wie MURDER! von Alfred Hitchcock, der am Set auch die deutsche Version MARY drehte. Auch DRACULA (1931) mit Bela Lugosi ist so ein Fall, tagsüber drehte Tod Browning die US-Version, in der Nacht Carlos Villarias die spanische Fassung. Als Remakes bezeichnet man diese Kuriositäten allerdings nicht.

Zwei echte Shot-by-Shot Remakes erregten in den 90er und 2000er Jahren die Gemüter. Zum einen PSYCHO 1998 von Gus Van Sant, das Remake des Hitchcock Klassikers mit neuer Besetzung und in Farbe, aber identischem Drehbuch und Kameraeinstellungen. Nicht wenige haben Gus Van Sant für verrückt erklärt, gerade diesen Klassiker neu zu inszenieren, ohne etwas entscheidend Neues hinzuzufügen. Aber kann ein Ein-zu-Eins Remake so schlecht sein, wenn das Original so überragend ist? Im Fall PSYCHO 1998 lag es nicht an der Besetzung oder Gus Van Sants Spiegeltricks, das Remake hatte einfach nicht die gesellschaftliche Wirkung wie das Original. Das war seinerzeit ein Schocker, das Remake konnte das bei Weitem nicht reproduzieren, zumal der Twist auch reichlich bekannt war.
FUNNY GAMES (1997) | FUNNY GAMES U.S. (2007) von Michael Haneke
Auf der anderen Seite haben wir FUNNY GAMES U.S. (2007) von Michael Haneke. Der drehte 1997 selbst das Original FUNNY GAMES in Österreich, zehn Jahre später inszenierte er die US-Version fast Eins-zu-Eins. Es gibt viel Kritik am Remake, welche aber nur bedingt zutrifft. Meist sind US-Remakes von ausländischen Filmen seichter, man sagt, sie wurden für den US-Markt glattgebügelt. Als europäischer Film war FUNNY GAMES 1997 zwar auch kontrovers, aber das war man da ja eher gewohnt. Das Remake hatte beim US-Publikum eine noch verstörendere Wirkung, darauf war dort niemand gefasst. Das doppelte Spiel um Gewalttoleranz beim Publikum ging im US-Remake mehr auf.
Zu faul um Untertitel zu lesen?
Filmgeschichtlich traten Remakewellen immer in Abständen von ca. 20 Jahren auf, in den 50ern wurden vorrangig Filme der 30er Jahre neu aufgelegt (Technicolor & Monumentalfilm), die 70er griffen auf den 50er Jahre Fundus (Science-Fiction) zurück, die 90er auf die 70er (Slasher). Mit dem Beginn des Blockbusterzeitalters Mitte der 70er Jahre (DER WEIßE HAI) verschärfte sich die Lage, mehr Filme, mehr Publikum, manchmal kamen die Studios kaum hinterher. Besonders der größte Filmmarkt der Welt suchte händeringend neue Filmstoffe. Neu mussten die bekanntermaßen nicht sein und auch nicht unbedingt der eigenen Filmnation entspringen.
NATTEVAGTEN (1994) | NIGHTWATCH (1997) von Ole Bornedal
Ab den 90er Jahren erwarben US-Produzenten nicht nur Rechte an internationalen Filmstoffen, um daraus Remakes zu produzieren. Wenn es einen Filmerfolg im Ausland gab, köderte man manchmal auch den jeweiligen Regisseur. Ole Bornedal hatte 1994 mit NATTEVAGTEN in Dänemark einen Überraschungshit und bekam postwendend das Angebot, das US-Remake NIGHTWATCH (FREEZE – ALPTRAUM NACHTWACHE) zu inszenieren. Es gab Stars, wesentlich mehr Geld, die Dreharbeiten liefen großartig, doch in der Postproduktion wurde alles kompliziert, so Bornedal. Das Produzenten Veränderungen verlangen und in den Postproduktionsprozess eingriffen, das traf ja nicht nur Remakes. Beim Remake aber sah man die Unterschiede und somit eventuelle Fehlentscheidungen sofort.
![]() |
![]() |
Aber nicht alles war den Produzenten anzulasten. Mehr Geld für das Remake war für Regisseure Segen und Fluch gleichermaßen. Mehr Geld bedeutete mehr Möglichkeiten, mehr Effekte, mehr Schnickschnack. Das tat dem Originalstoff nicht immer gut, blähte ihn manchmal unnötig auf oder wurde zum Effektgewitter ohne Effekt. Aber Änderungen gab es bereits in der Drehbuchphase, denn die mussten für den amerikanischen Markt und dessen Publikum angepasst werden. War das Original JU-ON von Takashi Shimizu noch mehr oder weniger subtiler Japanhorror, kam das US-Script wesentlich stumpfer und mit direkten Jumpscares daher. Auch Takashi Shimizu inszenierte das Remake seines Erfolgsfilms selbst. Besonders beim Remake zeigt sich, mehr ist nicht immer besser.

Ab den 1990er Jahren rollte der Remakezug dann mit voller Geschwindigkeit und ab dato wurde auch die Kritik an Remakes lauter und lauter. Das war natürlich auch eine Generationsfrage. In den 80ern hatte man diverse Remakes noch gefeiert, SCARFACE, THE THING, DIE FLIEGE, DER BLOB, der Generation X waren die Originale gar nicht vertraut. Aber dann bekamen auch Klassiker der 80er und 90er Jahre ein Remake und wenn da ein Lieblingsfilm dabei war, hatte das Remake schon im Vorfeld verloren.
Eins, Zwei, das Remake kommt vorbei
Abseits dieser gefühlten Wahrheiten, manche Filme oder Genres waren einfach schlechter für ein Remake geeignet als andere. Geschichten, die stark in der Ära ihrer Entstehung verwurzelt waren, z.B. Kalter Krieg oder manche gesellschaftlichen Tabus der 50er Jahre, wirkten in der Moderne oft deplatziert. Andere Plots und Stories wurden so modernisiert, dass der Kern des Originals verloren ging. Vor allem aber waren es die drei großen Säulen der Phantastik, die vom Remake ungemein profitierten und das nicht nur wegen neuer technischer Möglichkeiten wie visuelle Effekte oder CGI. Horror, Fantasy und Science-Fiction waren für Remakes geradezu prädestiniert.
A NIGHTMARE ON ELM STREET (1984) von Wes Craven | A NIGHTMARE ON ELM STREET (2010) von Samuel Bayer
Der Horrorfilm war in seiner Evolution ständig im Wandel, aber eins blieb immer gleich, Angst, Schrecken und Ekel, das funktionierte nach wie vor generationsübergreifend. Vor den Remakes gab es bereits Fortsetzungswellen, es wurde immer die gleiche Chose erzählt, aber die Kids rannten auch in Teil 8 oder 9 der jeweiligen Horror Franchise. Als SCREAM eine neue Slasherwelle lostrat, suchten die Studiokonkurrenten dringend Slasherstoffe. Als die SCREAM Rip Offs der Folgejahre ausblieben, wurde der Slasherfundus der 70er und 80er Jahre geplündert (SORONITY ROW, PROM NIGHT, BLACK CHRISTMAS), um doch noch auf den Zug aufspringen zu können.
![]() |
![]() |
Das Original musste nicht einmal sonderlich bekannt sein. Manchmal war das sogar hinderlich. Wenn das Original aus unterschiedlichen Gründen allerdings kultisch verehrt wird, hat es ein Remake von Anfang an schwer. Das war zum Beispiel dann der Fall, wenn die Hauptfigur besonders ikonisch war. Die Schlitzer Jason Vorhees und Michael Myers funktionierten auch in Remakes, sie waren stumm, maskiert und generationsübergreifend bedrohlich. Anders sah es bei Freddy Krüger aus A NIGHTMARE ON ELM STREET aus, der so von Robert Englunds Spiel geprägte war, dass Jackie Earle Haley im 2010er Remake von Anfang an keine Chance hatte, zu Unrecht, wie ich finde.
THE FLY (1958) von Kurt Neumann | THE FLY (1986) von David Cronenberg
Auch Science-Fiction Filme hatten es einfacher, im Remake zu überzeugen, denn sie konnten durch wenige Kniffe neu justiert werden. Die Zukunftsvisionen der 50er Jahre wurden in den 70ern von der Realität eingeholt, andere trafen verblüffend zu. Science-Fiction spiegelte auch immer die Gegenwart, INVASION OF THE BODY SNATCHERS von 1956 war von der Angst einer Alieninvasion abgetrieben, das Remake von 1978 spiegelte das mit der Paranoia des 70er Jahre Thrillers, der Plot aber blieb der Gleiche.
![]() |
![]() |
Schöne neue Remakewelt? Filme wie DIE FLIEGE oder SCARFACE sind heute Klassiker, die ihre Originale in den Schatten stellen. Aber gefühlt kommt immer noch auf ein gutes Remake zehnmal schlechter Abklatsch. Woran liegt das? Einige Gründe haben wir bereits genannt, Profitgier, kulturelle Aneignung, Verdrängung von Originalität, vieles sind Befindlichkeiten, aber warum hat das Remake so einen schlechten Ruf?
The Good, The Bad and the Unnecessary
Bessere Filmtechnik und neue Möglichkeiten der Effektgestaltung müssten ein Remake eigentlich bereichern. Bis Effektkunst aber wirklich gut aussah, verging viel Zeit, besonders CGI war jahrelang eher ein Testfeld. KAMPF DER TITANEN lebte vor allem von Ray Harryhausens handgemachten Stop Motion Tricks, das CGI-Gewitter nebst nachträglicher 3D Konvertierung im Remake von 2010 war ein Graus für jeden Liebhaber des Originals.
KAMPF DER TITANEN (1981) von Desmond Davis | KAMPF DER TITANEN (2010) von Louis Leterrier
Die Gründe für schlechte Remakes aber sind verschieden. Übererklärungen und psychologischer Bullshit machen aus Rob Zombies HALLOWEEN Remake einen schlechten Witz, das FRIGHT NIGHT Remake verkackt die spannende Dramaturgie des Originals, ROBOCOP funktioniert nicht als PG13, auch das MARTYRS Remake ist feige und liefert ein Happy End. Aber kontroverse Änderungen sind noch lange nicht so ärgerlich wie Belanglosigkeiten. TOTAL RECALL oder FLATLINERS sind so uninspiriert und öde, dass ich die Kritik um unnötige Remakes sogar verstehen kann.
![]() |
![]() |
Andere Attitüden in Sachen Remake Verachtung aber bleiben rätselhaft. Das Remake eines geliebten Klassikers kommt manchen wie ein persönlicher Angriff vor. Oft heißt es auch, das Remake macht das Original kaputt. Alle reden nur noch vom Remake, das Original gerät in Vergessenheit. Manchmal aber wird erst durch das Remake ersichtlich, wie gut oder schlecht das Original war. Filmfanatiker würden liebend gern präventiv Petitionen starten, damit niemand ihre Lieblingsfilme neuverfilmt. Nicht dass noch jemand auf die perfide Idee kommt, möglicherweise Disney Zeichentrickklassiker zu remaken.
Disneys ALADDIN (1992) von Ron Clements und John Musker | ALADDIN (2019) von Guy Ritchie
Dabei ist das Label Live Action Remake noch nicht einmal das größte Kuriosum im Sachen Neuverfilmung. Bereits in den 90er Jahren gab es Realfilm Remakes zweier Disney Klassiker, DAS DSCHUNGELBUCH von Stephen Sommers und 101 DALMATINER von Stephen Herek. Der große Boom, wenn man ihn so nennen will, startete mit Tim Burtons ALICE IM WUNDERLAND Neufassung, es folgten 14 Remakes, von denen einige verachtet werden (SNOWWHITE, ARIELLE), andere aber durchaus Spaß machen und exorbitant erfolgreich sind (LILO & STITCH, THE LION KING).
Das Leben ist wie eine Box voller Golgappas
Das weitverbreitetste Vorurteil in Sachen Remake lautet noch immer: Hollywood hat keine Ideen mehr, also muss es alte Sachen neu auflegen. In Sachen Remake hat der US-amerikanische Film sicherlich den größten Output, aber Remakes haben alle Filmnationen produziert. Manchmal überging man Rechtefragen im großen Stil, besonders in den 70er Jahren gab es einen großen stinkenden Haufen Remakemüll ohne Wiederverfilmungsrechte, sogenannte Bootleg Remakes wie ŞEITAN von 1974, ein inoffizielles Remake von DER EXORZIST aus dem Jahr 1973.
THE EXORCIST (1973) von William Friedkin | ŞEITAN (1974) von Metin Erksan
Die türkische Filmindustrie war berühmt dafür, Hollywood Blockbuster ohne Rechte zu kopieren. Höhepunkt: DÜNYAYI KURTARAN ADAM, besser bekannt als TURKISH STAR WARS, der sogar abgefilmte Szenen aus der Original Trilogie verwendete, dazu die Musik aus JÄGER DES VERLORENEN SCHATZES mischte, ein Trash Fest ohnegleichen.

Neben den Bootlegs gab es noch ein anderes Phänomen, sogenannte Mockbuster oder Knockbuster. Als Mock-up-Blockbuster bezeichnet man Filme, die meist zeitgleich mit einem Originalfilm erscheinen, Handlung und Stil günstig abklatschen und manchmal eine absichtlich schlechte Kopie des Originals sein wollen. Mochbuster gehen zurück bis in die 50er Jahre mit Filmen wie THE MONSTER OF PIEDRAS BLANCAS, ein Mockbuster zu DER SCHRECKEN VOM AMAZONAS. Ab den 2000ern machte sich die Produktionsfirma THE ASYLUM einen Namen als die Mockbuster Produzenten schlechthin mit Werken wie TRANSMORPHERS, I AM OMEGA oder ABRAHAM LINCOLN VS. ZOMBIES.
![]() |
![]() |
Wenn man glaubt, Hollywood macht in Sachen Remakes vor nichts Halt, der schaue nach Pakistan oder Indien und findet dort manch kurioses Remake wie GODFATHER von 2007, ein Remake von DER PATE, aber eigentlich ein Remake der gesamten PATE-Trilogie. 2022 erschien das indische Comedy Drama LAAL SINGH CHADDHA, es ist tatsächlich das Remake von FORREST GUMP. Auch Bollywood ist dafür bekannt, Filme aus anderen Ländern, bevorzugt den USA, neu aufzulegen, darunter sogar SANGHARSH, ein Remake von DAS SCHWEIGEN DER LÄMMER.

Nicht alles sind inoffizielle Remakes, Mockbuster oder Bootlegs. THE OFFICE und seine internationalen Ableger wie THE OFFICE US oder STROMBERG sind eher als Adaptionen denn als Remakes zu bezeichnen. EINE SCHRECKLICH NETTE FAMILIE hingegen hatte offizielle Remakes in über zehn Ländern, darunter Deutschland (HILFE, MEINE FAMILIE SPINNT). In Indien gab es 24: INDIA, die Serie ALLE LIEBE RAYMOND bekam ein russisches Remake. Am bekanntesten aber dürfte die Serie METASTASIS sein, ein offizielles Remake von BREAKING BAD für den Lateinamerikanischen Markt, welches neben ein paar Änderungen größtenteils originalgetreu nachgestellt wurde.
(Fast) Alles löschen und neu starten
DER PATE, FORREST GUMP und BREAKING BAD haben also Remakes, sollte man nicht besser fragen, was noch kein Remake erhalten hat? Wenn alles geremaked ist, was dann? Das dritte Remake konnte man noch erklären, aber irgendwann gingen den Produzenten die Argumente aus. Das Remake des Remakes war doch schon besser, größer, geiler. Manchmal hatte man sich im Franchisewahn um Sequels, Prequels und Remakes auch schlicht verrannt. Eine neue Strategie musste her, vor allem ein neuer Begriff. Wenn ein Remake nicht reicht, muss ein Reboot her.

Reboot bedeutet Neustart, in Sachen Film dient der Begriff dazu, ein bestehendes, etabliertes Filmuniversum neu zu beginnen und neu zu vermarkten. Dass der Begriff eher der jüngsten Filmgeschichte entspringt, merkt man daran, dass es zwar unzählige Listen der besten (oder schlechtesten) Remakes gibt, aber „Die besten Reboots“, das klingt irgendwie falsch und unsinnig. Zumal hier auch noch zwischen Soft und Hard Reboot unterschieden wird. Bei einem Soft Reboot bleiben Elemente des Originals noch erhalten, die Welt, diverse Handlungsstränge, bestimmte Figuren in Cameo Auftritten, alles wird sanft für ein neues Publikum aufbereitet, mit neuen Hauptfiguren, aber bekannten Plotpfaden. So funktionieren STAR WARS: THE FORCE AWAKENS oder die letzten beiden GHOSTBUSTERS.

Ich finde den Begriff Soft Reboot aber eher irreführend, THE FORCE AWAKENS wie die neuen GHOSTBUSTERS sind klare Fortsetzungen, aber sicher, das Franchise wurde mit ihnen neu gestartet. Bei GHOSTBUSTERS wird es zudem noch komplizierter, denn 2016 gab es nach Teil 1 und 2 ein echtes Reboot mit den weiblichen GHOSTBUSTERS. Der kam aber eher schlecht beim Publikum an, also folgte dem Hard Reset das Soft Reboot, welcher den 2016er Film einfach ignorierte. Dieses Ignorieren wurde zu einem Markenzeichen von diversen Soft Reboots. Nur der ikonische Teil 1 hatte noch Bestand, alles, was danach kam, wurde ignoriert wie im Fall von HALLOWEEN aus dem Jahr 2018. Aber schon HALLOWEEN H20 ignorierte alles nach Teil 2., hier liegt quasi das zweite Soft Reboot vor.
HALLOWEEN (1978) von John Carpenter | HALLOWEEN (2018) von David Gordon Green
Was ist denn aber nun ein echtes Reboot? Nach Film Noir Anfängen und poppiger 60er Jahre Serie kam 1989 der erste BATMAN Kinofilm in die Lichtspielhäuser. Es gab eine Fortsetzung, eine weitere mit anderem Hauptdarsteller, noch eine Fortsetzung, die zum Trashfest geriet, dann erklärte Warner Bros. das Filmfranchise für tot. Diverse Filmemacher arbeiteten an der Wiederbelebung, den Vorzug bekam Christopher Nolan mit BATMAN BEGINS. Es war ein richtiger Neustart, eine neue Tonalität, eine neue Verankerung in der Realität, gleichzeitig tiefer in den Vorlagen verwurzelt, das Batmobil ein Panzer. Reboots können das Publikum überfordern, doch nach BATMAN BEGINS, spätestens aber nach THE DARK KNIGHT wurde klar, der Reboot wurde überaus erfolgreich vollzogen.

Ähnliches schaffte das SPIDER-MAN Franchise, nach den Raimi Filmen folgte 2012 ein kompletter Neustart mit Andrew Garfield, ins MCU glitt der Spinnenmann aber eher soft. Nach vier Sequels kam es mit PLANET DER AFFEN 2001 zu einem Remake der Reihe von Tim Burton, 2011 aber dann zu einem echten Reboot mit PLANET DER AFFEN: PREVOLUTION. Im Bereich der Comicverfilmungen waren Reboots keine so neue Sache, nicht wenige Subserien wurden nach hunderten Folgen beendet und eine neue Nr. 1 wurde veröffentlicht.

Schwieriger wird der Fall beim Thema BOND. CASINO ROYALE aus dem Jahr 2006 wird als Reboot der Franchise bezeichnet. Hard oder soft? Nun ja, ein neuer Bond, sowohl äußerlich wie charakterlich, eine neue Zeitlinie und eine neue Ernsthaftigkeit sprechen für einen Hard Reset, auf der anderen Seite war auch Judy Dench als M wieder dabei, die in allen Brosnan Bonds vertreten war. Überhaupt, wenn CASINO ROYALE ein Reboot war, müssen es dann nicht die Wechsel von Connery zu Lazenby, Moore, Dalton und Brosnan auch Reboots gewesen sein? Der nächste James Bond wird in jedem Fall wieder ein echter Reboot.
Remake My Day
Was kommt nun nach dem Remake und Reboot? Ein neuer Begriff wird kaum helfen, dennoch las ich in letzter Zeit wiederholt die Bezeichnung Reimagination. Benutzt wurde er vornehmlich für neue Miniserien, die Remakes von Spielfilmklassikern sind. Ganz aktuell läuft die Serie CAPE FEAR, welches auf KAP DER ANGST 1991 von Martin Scorcese basiert, welcher wiederum ein Remake von EIN KÖDER FÜR DIE BESTIE von J. Lee Thompson aus dem Jahr 1962 war. Reimagination heißt, der Stoff wird neu erdacht, ersponnen oder interpretiert und ist im Fall von CAPE FEAR leider nur ein Marketingvehikel. Schon das Scorcese Remake adaptierte die Filmmusik von Bernard Herrmann, die auch in der Miniserie erklingt. Die Neuauflage ist gut, aber weit entfernt von einer Reimagination.
DEAD RINGERS (1988) von David Cronenberg | DEAD RINGERS (2023) von Alice Birch
Weit mehr aus dem Fenster lehnten sich die Macher der Miniserie DEAD RINGERS – DIE UNZERTRENNLICHEN, die auf David Cronenbergs Film aus dem Jahr 1988 basiert. Hier haben wir es mit einem Gender Swap zu tun, aus den Zwillingen Beverly und Elliot Mantle (Jeremy Irons) werden hier Beverly und Elliot Mantle, gespielt von Rachel Weisz. Der Wechsel des Geschlechts öffnet der Geschichte neue Wege und Aspekte, dass man in diesem Fall schon von einer gelungenen Neuinterpretation reden kann.
![]() |
![]() |
Das Remake der Zukunft, wie mag es aussehen? Die filmgeschichtlichen Wellen werden weitergehen, aber wird das Remake verebben? Wird es neue technische Evolutionen geben analog zum Ton- und Farbfilm, von praktischen zu digitalen Effekten, von 2D zu 3D, vom Film zum Franchise zum Reboot zur Reimagination? Wird das künftige Generationen überhaupt interessieren, Film? Was ist, wenn die Nostalgie endet? Die Generation X und Y wird mit Sicherheit noch gut versorgt werden mit Remakes, ob sie die wollen oder nicht. Was ist denn angekündigt in naher Zukunft? VAIANA Live Action Remake, TRIBUTE VON PANEM Reboot, BLAIR WITCH PROJECT, HIGHLANDER?
BLUE THUNDER (1983) von John Badham | Hoffentlich bald ein adäquates Remake?
Was meint ihr, was wurde noch nicht geremaked, welcher Film hätte ein Remake verdient? DIE PHANTASTISCHE REISE von 1966 (DIE REISE INS ICH zählt nicht)? COCKTAIL FÜR EINE LEICHE? LAUTLOS IM WELTALL? Schreibt eure Vorschläge gern in die Kommentarspalte. Aber haltet euren Hass auf Remakes oder Reboots im Zaum, sie fressen keine kleinen Kinder und auch keine Originale. Es ist leicht, Remakes zu verdammen, sie laden durch den Vergleich zur Vorlage scheinbar dazu ein. Andererseits gab es auch diverse Lehren aus zwei Generationen Remakewahn, von denen Neuauflagen der Neuauflagen durchaus profitieren können. Eines Tages, wenn alle Blu-Rays vergammelt sind und alles Digitale gelöscht ist, dann müssen wir eh alles neu machen.
In der Reihe DIE KLEINE GENREFIBEL geht es um sämtliche Facetten des Films, um Subgenres und Filmsparten, Formate und Gewerke, um Dramaturgie und Inszenierungen, Filmgeschichte, Analyse, die großen Franchises und Filmuniversen, ein Blick hinter die Kulissen und in die Zukunft der wunderbaren Welt der bewegten Bilder.
Lesen Sie in der nächsten Folge:




















